Warum keine Erhöhung auf 7,5 Prozent*?
(*) Umwandlungssatz
Impressum: Dieser Artikel von Herbert Brändli, Geschäftsführer der B+B Vorsorge AG, ist erschienen in der AWP Soziale Sicherheit Nr. 15 vom 22. August 2007.
Negativmeldungen über die zweite Säule beherrschen nach wie vor die Szene – jetzt wo die Aktienmärkte florieren, werden statt der wieder gefüllten Finanzlöcher die Kosten der Sammelstiftungen vorgeführt. Zur Abwechslung aber auch eine Positivmeldung: Die meisten unabhängigen Sammelstiftungen, wie Profond, PKG, ASGA, Nest und Abendrot können auf ein weiteres, sehr erfolgreiches Jahr zurückblicken: 2006. Beispielsweise betrug die Performance der Profond Vorsorgeeinrichtung 10,8 Prozent. Sie hat darum die Altersguthaben mit 5 Prozent verzinst und die laufenden Renten um 1 Prozent erhöht.
Das vorangegangene Jahr (2005) war sogar noch ertragreicher und Profond konnte 6 Prozent Zins ausschütten. Dennoch wird von gewissen Kreisen beharrlich auf die historisch niedrigen Zinssätze und das Börsentief um die Jahrtausendwende verwiesen. Die seit Jahren anhaltenden überdurchschnittlichen Erträge von unabhängigen Sammelstiftungen werden kaum zur Kenntnis genommen und öffentlich nicht transportiert. Im Gegenteil, auf Geheiss der mindesten Marktteilnehmer diskutieren Politiker über eine weitere generelle Senkung der bereits reduzierten, bescheidenen Minimalleistungen. Trotz der prosperierenden Wirtschaft wollen sie die BVG-Zinsen und Umwandlungssätze noch weiter senken.
Die erfolgreichen Pensionskassen müssen sich auf der anderen Seite für ihre hohen Leistungen rechtfertigen und werden dafür an den Pranger gestellt. Experten dichten ihnen Probleme an, die es ohne sie gar nicht geben würde. Sie schüren Ängste und empfehlen den Einsatz von risikolosen Anlagen, die, realistisch gesehen, nirgends, und schon gar nicht zu vernünftigen Preisen, erhältlich sind.
Die umtriebigen Berater nutzen die mangelnde Balance in der Wahrnehmung von Chancen und Risiken. Kursverluste schmerzen in der Regel stark, aber wenn man nicht genügend investiert ist und Kursgewinne mindestens so weh tun müssten, treten kaum Schmerzen auf. Dieses Ungleichgewicht mag die grassierende Lust nach teuren Hedge Funds und Kapitalschutzprodukten erklären. Unter dem Motto «Wir wollen für Euch kein Geld verlieren» versprechen sie einen absoluten Return ohne Risiken und finden unter den verunsicherten Pensionskassen, trotz schamlosen Kosten, reissenden Absatz.
Das in Mode gekommene, risikoaverse Verhalten verkennt, dass Unsicherheit all das bewirkt hat, was wir heute Fortschritt nennen. Hochs und Tiefs der Börse sind «Part of the deal» und fester Bestandteil des Systems. Wer sich darin bewegen will, darf Risiken weder vertuschen noch verdrängen, denn risikolos heisst chancenlos! Wer Erfolg haben will, muss den Umgang mit Unsicherheiten an den Finanz- und Kapitalmärkten normalisieren.
Mit der Beantwortung der Frage: «Wodurch lasse ich mir bange machen, was will und kann ich akzeptieren?» finden Pensionskassen hoffentlich zur Souveränität zurück, die es für eine gesunde, nachhaltige Wertschöpfung braucht. Wäre die Sammelstiftung Profond Mitte letztes Jahr dem Rat der Risikoadjustierer gefolgt, stünde sie noch immer bei Null Erträgen.
Im Kapitaldeckungsverfahren werden für alle Versicherten mit Sparbeiträgen und Anlageerträgen individuell Guthaben angespart, die sie bei der Pensionierung als Kapital oder in Form einer gleichwertigen Rente beziehen können. Jeder müsste bekommen, was er erspart hat und nur was vorhanden ist, kann verteilt werden. Nicht Spekulation und Prognosen, sondern die tatsächlichen Erträge bestimmen den Wirkungsgrad von Vorsorgeeinrichtungen. Die Frage sei darum erlaubt: «Warum eigentlich werden Pensionskassen nicht an ihrer nachgewiesenen tatsächlichen Wertschöpfung gemessen und beurteilt?»
Umverteilungen zwischen Aktiven und Rentnern sind in der beruflichen Vorsorge nicht vorgesehen. Sie bilden die Ausnahme und sind allenfalls die Folge von Fehlkalkulationen. Bruno Gehrig, der oberste Boss von Swiss Life, durfte sich kürzlich öffentlich darüber ärgern, dass die gesetzlich geforderten Minimalrenten viel zu hoch seien. Er beklagte sich, dass junge Versicherte die laufenden Altersrenten mit finanzieren müssten.
Leider hat er Recht: Die Erfahrung lehrt, dass mit Versicherungen auch die minimalst geforderte Wertschöpfung nicht erreicht werden kann. Als Konsequenz fordern die Versicherer für unabhängige Pensionskassen gleich kurze Spiesse, wie für sie gelten. Ich fordere hingegen für die Versicherten von Klein- und Mittelbetrieben gleich lange Spiesse, wie sie für grosse unabhängige Pensionskassen gelten.
Die Erträge der Versicherungsgesellschaften liegen seit Jahren 3 bis 5 Prozent unter dem Mittel der Pensionskassen. Ihr Garantieversprechen, das im Bedarfsfall eh nicht eingehalten wird, kostet die Versicherten um die 15 Milliarden Franken, also Jahr für Jahr beinahe den Wert des Jahrhundertbauwerks Neat. Diese Summen gehen den Mitarbeitern von Klein- und Mittelbetrieben für ihre Altersvorsorge verloren. Dafür wären sie beim nächsten Börseneinbruch etwas weniger betroffen, meinen die Versicherer.
Die Entwicklung von Schweizer Aktien und Obligationen mit einem Startkapital von 100 Franken im Jahr 1925 vor Augen (vgl. Graphik), war 2001/2002 für den langfristigen Anleger der vorübergehende Einbruch der Aktien vom Niveau 65 000 Franken wohl weit besser verkraftbar, als das Verharren der Obligationen, auf dem Niveau von 3400 Franken seither.

Nominelle Weiterentwicklung von Aktien und Obligationen. Bild: Pictet & Cie.
Ich würde mich schämen, wenn Profond die minimale Wertschöpfung für die gesetzlichen Minimalrenten nicht erwirtschaften könnte. Dank dem verstärkten Einsatz von Aktien und dem konsequenten Verzicht auf Versicherungen konnten ihre Versicherten seit der Gründung im Jahr 1991 von einer Durchschnittsrendite von 7,1 Prozent zehren. Die Verzinsung ihrer Altersguthaben betrug im Mittel 5,1 Prozent und die laufenden Renten wurden im Schnitt jährlich um 1,2 Prozent erhöht. Mit der verbleibenden Differenz könnte der Umwandlungssatz heute locker auf 7,5 Prozent erhöht werden.
Der technische Zins von 4 Prozent, der in die Rentenkalkulation einfliesst, ist mit der aktuellen Strategie erfahrungsgemäss abgesichert. Daran können auch die notorischen Angstmacher nichts ändern. Und die Rentner von Profond müssen nicht um ihre einmal gewonnene Altersleistung bangen.
Dank Erträgen in annähernd der Höhe des Umwandlungssatzes (Input: Erträge von durchschnittlich 7,1 Prozent, Output: Rentenzahlungen von 7,2 Prozent) ist das 1991 für eine Rente zurückgestellte Vermögen nach 192 Zahlungen (12 pro Jahr) heute noch beinahe unverändert hoch. Die Rentenbezüger dürfen darum ohne Scham älter werden. Und am Ende werden die Jungen von den Vermögen profitieren, die sie in der Stiftung zurücklassen.
Herbert Brändli
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