Pensionskassen: Qual der Wahl – Wege aus dem Angebotsdschungel
Impressum: Autor ist Herbert Brändli (Details) – Artikel erschienen in KMU Life im August 2011. 04/2011
Das Angebot an Pensionskassen für KMU ist so undurchsichtig, wie die Kosten- und Ertragsunterschiede. Wie finden Betriebe ihre passende Altersvorsorgelösung? Der Markt der Vorsorgeanbieter für KMU ist in zwei Lager gespalten: Auf der einen Seite stehen transparente Selbsthilfeorganisationen, die keinen fremden Herren dienen mögen. Die Zahl dieser unabhängigen Sammelstiftungen nimmt ständig zu. Sie wollen für KMU gleiche Bedingungen schaffen, wie sie für grosse Unternehmen gelten, insbesondere bleiben Verfügungsgewalt und Vorsorgevermögen sowie die Erträge in der Stiftung. Die andere Seite wird von momentan noch zehn Lebensversicherern besetzt. Sie verschaffen sich via vorgeschobener Durchgangsstiftungen direkten Zugang zu den KMU-Vorsorgegeldern und entziehen den Sozialpartnern die Berechtigung über ihr Vorsorgevermögen. Ihre Einflussnahme beschränkt sich praktisch noch auf die Gestaltung der Vorsorgepläne und Ablieferung der Beiträge.
Die beiden Geschäftsmodelle zeitigen offensichtlich grundsätzlich verschiedene Wirkungen. Bevor aufwändige Vergleiche zwischen möglichen Vorsorgeträgern angestellt werden, sollte darum Klarheit darüber herrschen, was ein KMU von seiner Pensionskasse erwartet. Soll mit einer optimalen Altersvorsorge die eigene Gesamtentschädigung heutiger und künftiger Mitarbeiter nachhaltig verbessert werden, oder stehen die kurzfristige Erfolgsrechnung und Abstinenz im Vordergrund?
Wer von der Vorsorgeeinrichtung nichts erwartet, kann sich im Lager der Lebensversicherer umhören und seine Wahl aufgrund des besten Prämiengebots für Risikoversicherung und Verwaltung treffen. Allenfalls wird dem Unternehmen noch ein Gegengeschäft offeriert. Vermögen und Renditen gehören aber dem Versicherer und sind für die Versicherten nicht mehr massgebend, hingegen schon die Verzinsung ihrer Guthaben. Diese erfolgt fast unisono zu den gesetzlich vorgegebenen Minimalsätzen und bewegte sich die letzten zehn Jahre in einer Bandbreite von 2.8 bis 3 Prozent. Dabei sind Abzüge von Freizügigkeitsleistungen nach kurzfristiger Vertragsdauer bis zu 8 Prozent, welche diese Renditen nachträglich stark drücken, nicht berücksichtigt. Wenige Unterschiede bestehen auch bei der Leistungsbemessung: Im obligatorischen Bereich entsprechen die Umwandlungssätze überall dem gesetzlichen Minimum von derzeit 6.8 Prozent. Im freiwilligen Bereich fast durchgehend dem stark untersetzten Tarif von 5.84 Prozent.
Schon vor Jahren haben Versicherer die Kostenunterschiede gegenüber unabhängigen Pensionskassen vorgerechnet: Spezielle Anlagevorschriften, der Sicherungsfonds, die Nominalwertgarantie, vor allem aber Management und Aktionäre verschlingen mindestens 2.3 Prozent der verwalteten Vermögen, klagten sie. Zählt man die ordentlichen Verwaltungskosten hinzu, wird klar, dass mit Versicherungen kein wirtschaftlicher Nutzen erzielt werden kann. Bei unabhängigen Sammelstiftungen ist dieser an der langfristigen Netto-Performance (Ertrag minus Kosten) und den Leistungen (interne Zinsen und Umwandlungssätze) messbar.
Nutzenorientierte KMU machen ihre Wahl von langfristigen Rendite- und Leistungsausweisen abhängig, die den nachhaltigen Nutzen am besten treffen. Hinzu kommt die Güte von Beratung und Betreuung. Diese Kriterien gehen in der Regel nicht aus Offerten hervor, welche die eigentliche Schaffenskraft und den Willen, auch zukünftig allen Versicherten eine leistungsfähige Rente zu garantieren, nicht zeigen. Diese tragenden Merkmale gehen auch nur bedingt aus den traditionellen Pensionskassenvergleichen hervor und müssen bei jeder Kasse direkt erhoben werden. Was es von seiner künftigen Pensionskasse verlangt, muss ein KMU bei der Durchforstung des Angebots selbst aufbringen: Seriöse Abklärung der Handhabung von Chancen und Risiken, eine langfristige Denkweise und nur auf das Wohl aller Mitarbeiter ausgerichtete Entscheide.
Herbert Brändli kommentiert für Stocks aktuelle Entwicklungen in der eidgenössischen Vorsorgepolitik und ist Betriebswirtschafter sowie Eidg. dipl. Pensionsversicherungsexperte mit einem breit diversifizierten Auftragsportefeuille. Herbert Brändli ist Gründer und Verwaltungsratspräsident der B+B Vorsorge AG, welche sich zur Aufgabe gemacht hat, mehr Dynamik und Transparenz in die berufliche Vorsorge zu bringen und ihren Kunden eine fundierte Beratung sowie interessante Alternativen zu bieten.
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