Gier ist nicht geil

Impressum: Podiumsdiskussion vom 27. Mai 2010 in Luzern der B+B Vorsorge AG (Link Fotogalerie) – Artikel in Schweizer Personalvorsorge Nr. 08/10 von Dr. Peter Schnider. Download Artikel SPV.

Das Ergebnis vom 7. März beschäftigte alle Podiumsteilnehmer der Diskussion von Ende Mai in Luzern. Sie sehen das Abstimmungsresultat als klares Ja für eine starke 2. Säule.

Herbert Brändli, Geschäftsführer der B+B Vorsorge AG, erachtet das klare Nein des Souveräns zu einer erneuten Senkung des Umwandlungssatzes als Auftrag. «Die 1. Säule schwächelt aufgrund der demografischen Entwicklung. Wenn die 1. Säule teurer wird, muss die 2. Säule Ausgleich schaffen und mehr Leistung erbringen», meint er. Als Folge davon erwartet er, dass die 2. Säule in der Altersvorsorge mehr Gewicht erhält, dass sich also eine Verschiebung zwischen den drei Säulen ergeben wird.

Rolf Kurath, Geschäftsführer des Luzerner Forums für Sozialversicherungen und Soziale Sicherheit, meint, man müsse nun über klare Leistungsziele diskutieren statt über einzelne Parameter. Den Vorschlag des Gewerkschaftsbunds, dass je nach Einkommenshöhe auch eine andere Ersatzquote angepeilt werden muss, erachtet er als sinnvoll. Klare Leistungsziele, meint er, bringen Vertrauen. Die EL dürfe nicht auch im Mittelstand substanzielle Beiträge erbringen.

Für Enno Rudolph, Professor für Philosophie und Leiter des Kulturwissenschaftlichen Instituts der Universität Luzern, ist das Ergebnis vom 7. März ein klares Werturteil für höhere Leistungen durch die Pensionskassen. Jetzt müsse darüber diskutiert werden, wie die vom Volk verlangten Leistungen finanziert werden können. Dass das Volk keinen Abbau der Leistungen hinnehmen will, ist für ihn klar, denn die Versicherung stellt gemäss seiner Analyse eine Form der säkularisierten Religion dar. Im Mittelalter noch glaubte man an Gott und das ewige Leben. Heute möchte man im Diesseits möglichst lange leben. Das lassen wir uns einiges kosten.

Josef Marbacher, Professor der Ökonomie und Leiter des Instituts für Finanzmanagement IFF an der Fachhochschule Nordwestschweiz, pflichtet Enno Rudolph bei. Das Volk habe sich ganz klar gegen eine Senkung der Leistungen ausgesprochen. Der Pensionskassenverband habe sich für eine Senkung des Umwandlungssatzes ausgesprochen, ohne dazu die Legitimation bei den Versicherten der Mitglieder eingeholt zu haben, diese Meinung zu vertreten. Ein analoges Problem sieht Marbacher auch bei der Wahrnehmung der Aktionärsrechte durch Vorsorgeeinrichtungen. «Woher nimmt eine Pensionskasse die Legitimität, wenn sie vorher nicht die Versicherten befragt hat?», meint er.

Freie PK-Wahl als Lösung

Wollen die Versicherten mehr Mitsprache oder gar die freie Pensionskassenwahl in der 2. Säule? Rolf Kurath meint Nein und sieht die Vorteile in der betrieblichen Vorsorge, weil die Wahrnehmung von Verantwortung und zusätzlichen Leistungen durch den Arbeitgeber in einem freien System nicht mehr vorhanden wäre. Nicht ganz überraschend plädiert der Wirtschaftsprofessor für die freie Wahl, ja er möchte sogar das Zwangssparen abschaffen. «Die Freiheit der Eigentümer muss erhöht werden, indem sie zum Beispiel ihr Geld wieder aus der Vorsorgeeinrichtung nehmen können», meint Marbacher. Auch Enno Rudolph möchte mehr Markt in der Altersvorsorge, meint dann aber auch, wenn man dem Menschen den Markt überlasse, überlasse man den Markt seiner Gier. Letzteres dürfte kaum ein nachhaltiger Ansatz für anstehende Fragen in der Altersvorsorge sein.

 

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