Unredlicher Kampf um Pensionskassengelder

Impressum: Autor ist Herbert Brändli (Details) – Artikel in stocks.ch (Experten-Kolumne), 27. Mai 2011. Link stock für Download Artikel.

Banken, Vermögensverwalter und Versicherungen machen mit Pensionskassen einträgliche Geschäfte. Mit verdeckten Dreiecksgeschäften, Provisionen und Schmiergeldern versuchen sie der begehrten Gelder habhaft zu werden. Köder der Versicherer mit trügerischen Prämien, die sie auf Kosten der Versicherten vergünstigt haben, vernebeln die Szene für KMU vollends.

Im Schutzmantel des BVG haben Versicherungsgesellschaften mit übertriebenen Prämien jahrelang überhöhte Gewinne und Reserven erwirtschaftet. Die überflüssigen Polster wurden nach und nach der betrieblichen Vorsorge entzogen. Gelder, die bislang noch nicht in Eigenkapital umgewandelt wurden, dienen jetzt als Kriegskasse, um noch mehr davon anzuwerben. Die Rechnung wird den Versicherten erst bei der Pensionierung mit viel zu niedrigen Renten präsentiert.

Erstmals richtig Druck haben die Versicherer mit der Rentenklaudebatte ausgelöst, der vom Regulator willig an die Pensionskassen weitergegeben wurde. Resultat war eine gegen den Willen der Arbeitnehmer beschlossene, allgemeine Senkung der Altersrenten (Umwandlungssätze). Dank den herbeiregulierten, tiefen Ertragserwartungen wurde für die notorisch ertragsschwachen Versicherer die Verwaltung von Pensionsvermögen noch attraktiver. Seither jagen sie Pensionskassengelder mit unrealistischen Prämien für die Todesfall- und Invaliditätsrisiken. Die dafür in Rechnung gestellten Kosten, inklusive Verwaltungskosten, werden mit früher vereinnahmten Beiträgen aus den Kriegskassen quersubventioniert. Damit werden bei KMU Anreize geschaffen, ihre Vorsorgeeinrichtung bei Versicherungen zu platzieren. Sie können ihre unmittelbaren Kosten für die 2. Säule reduzieren und so die eigene Erfolgsrechnung entlasten.

Man muss wissen, dass die notwendigen Beiträge für die finanzielle Absicherung der Todesfall- und Invaliditätsrisiken mit Erfahrungszahlen ermittelt werden, die in allgemein verfügbaren Rechnungsgrundlagen festgehalten sind. Unabhängige Pensionskassen rechnen mit Nettogrundlagen (BVG, VZ, EVK) ohne Kostenelemente und stellen die Administrationskosten separat in Rechnung. Versicherer rechnen mit eigenen Grundlagen (KT), die für Schadenfälle höhere Eintrittswahrscheinlichkeiten zeigen und Administrations-, Werbe- und Vermittlungskosten beinhalten. Ihre Tarife sind entsprechend teurer. Kommt hinzu, dass in der Kostenkaskade von Vorsorgeeinrichtungen mit Versicherungen Verwaltungskosten doppelt zu Buche schlagen. Verteuernd wirken zudem die gegenüber Pensionskassen um 1% bis 1,5% tieferen Zinssätze, mit denen Versicherer die voraussichtlichen Renten diskontieren.

Geht man hin und vergleicht Offerten von Versicherungsgesellschaften mit solchen von autonomen Pensionskassen, fällt auf, dass die Angebote mit den versicherten Risiken keinen direkten Zusammenhang mehr haben. Weil sich aber auch Versicherer den statistisch nachgewiesenen Risikokosten nicht entziehen können, müssen heute künstlich niedrig gehaltene Prämien mittelfristig wieder korrigiert werden. Ganz zur Freude gewisser Makler und Berater, die Vergleiche anstellen und auf der Suche nach den jeweils billigsten Lösungen von Umplatzierungen der KMU-Vorsorgeeinrichtungen leben. Sie verursachen ein Pensionskassenhoppsen, welches dank fürstlich fliessenden „finderfees“ die 2. Säule zusätzlich verteuert.

Interessant und eher betrüblich ist die Feststellung, dass bei der Berechnung der Vorsorgerisiken auch unter verschiedenen autonomen Sammelstiftungen unerklärliche Abweichung bestehen. Bei deckungsgleichen Risikovorgaben, Rechnungsgrundlagen und Diskontierungszinssätzen unterscheiden sich beispielsweise in einer kürzlich erfolgten Umfrage gleichlautende Angebote bis zu sagenhaften 132%, oder anders ausgedrückt: KMU bezahlen für die Risiko- und Verwaltungskosten in Stiftung A 2,3 Mal mehr als in Stiftung B, was den Kenner der Berechnungsgrundlagen auf unseriöse Angebote schliessen lässt.

Ein ähnliches Bild zeigt der Vergleich beim Übertrag von laufenden Renten zwischen verschiedenen Stiftungen. Hier sind die monetären Unterschiede noch grösser, weil mit unterschiedlichen technischen Zinssätzen hantiert wird, welche sich auf Rentenbarwerte viel stärker auswirken, als die verschiedenen Wahrscheinlichkeitstafeln. Die Intransparenz der Auftritte der verschiedenen Anbieter verlangt beim Wechsel des Vorsorgeträgers eine vertiefte, hoch professionelle Nabelschau. Wer Enttäuschungen vermeiden will, darf sich nicht auf undurchsichtige, oft manipulierte und nichts sagende Hochrechnungen verlassen. In erster Linie müssen Geschäftsmodelle analysiert, bisherige Erfolgsausweise gewichtet und die Mitsprache und Mitbestimmung im Anlage- und Verteilkampf beachtet werden.

Herbert Brändli ist Betriebswirtschafter und Eidg. dipl. Pensionsversicherungsexperte mit einem breit diversifizierten Auftragsportefeuille. Herbert Brändli ist Gründer und Verwaltungsratspräsident der B+B Vorsorge AG, welche sich zur Aufgabe gemacht hat, mehr Dynamik und Transparenz in die berufliche Vorsorge zu bringen und ihren Kunden eine fundierte Beratung sowie interessante Alternativen zu bieten. 

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