Mehr Risikoappetit wird belohnt

Impressum: Autor ist Kurt Speck – Erschienen am 12. Mai 2010 in der Handelszeitung, Nr. 19, Seite 55. Mit vorhandener Genehmigung.

Anlagestrategien: Für Pensionskassen lässt sich langfristig nur mit Realwerten wie Aktien und Immobilien eine reale Rendite erzielen.

Die günstige Entwicklung an den Aktienmärkten hat die Vermögenslage der Vorsorgeeinrichtungen im laufenden Jahr weiter verbessert. Der Credit Suisse Schweizer Pensionskassen-Index, der das Anlageverhalten von über 100 Kassen erfasst, verzeichnete im 1. Quartal 2010 eine Performance von 2,32%. Mit dem höheren Deckungsgrad ist auch der Risikoappetit leicht gestiegen. Die Liquiditätsquote hat sich um einen Prozentpunkt auf 7% vermindert. Es fanden vor allem Mittelverlagerungen zu den Schweizer Obligationen und Immobilien statt. Der Aktienanteil wurde trotz einer Aufwärtstendenz an den Börsen nur geringfügig nach oben angepasst.

Mangelhaftes Rebalancing
Noch immer schwingt der Kursabsturz in den Köpfen der Stiftungsräte nach. Der wirtschaftliche Aufschwung erscheint als labil, eine nochmalige Rally an den Aktienmärkten als wenig wahrscheinlich. Werner Rutsch, bei Axa Investment Managers Schweiz für das Institutional Business zuständig, beobachtet diese Zurückhaltung ebenfalls: «Der Zukauf von Aktien geschieht nur in ausgewählten Segmenten wie etwa bei Small Caps oder Titeln aus den Emerging Markets.» Dabei hat sich die Aktienquote mit den Turbulenzen an den Börsen tendenziell verringert. Das Rebalancing wurde in der Finanzmarktkrise nicht konsequent durchgesetzt. Je länger die Talfahrt an den Aktienmärkten dauerte, umso vorsichtiger agierten die Pensionskassen beim Erwerb von Risikopapieren. In vielen Fällen wurde das Portfolio nicht regelmässig auf die vorgegebene strategische Gewichtung zurückgeführt.

Für Anlageexperten sind tiefe Aktienquoten ein grundsätzliches Problem. Während im angloamerikanischen Raum die Portfolios von Vorsorgeeinrichtungen mit 60% Aktien bestückt sind, liegen diese Anteile in der Schweiz meist nur zwischen 20 und 30%. Mit Obligationen-Anteilen von 70 bis 80% lassen sich beim derzeitigen Tiefzinsniveau gar keine realen Renditen erzielen.

«Die Finanzmärkte sind der dritte Beitragszahler», sagt Herbert Brändli, Präsident der unabhängigen Sammelstiftung Profond. Er hält an einem Aktienanteil von 50% trotz den Verwerfungen an den Märkten fest. Über einen Zeitraum von 20 Jahren hat dies seiner Vorsorgeeinrichtung eine jährliche Performance von knapp 6% eingetragen. Natürlich seien die Erträge nicht normal verteilt. «Aber wir müssen investiert sein», gibt sich Spezialist Brändli, Chef des Beratungsunternehmens B+B Vorsorge, überzeugt. Er untermauert dies mit der Theorie von den «schwarzen Schwänen», jenen unerwarteten Ereignissen, die für Aktienmärkte typisch sind. Hat eine Pensionskasse beispielsweise im Zeitraum von 1992 bis 2007 die zehn besten Tage an der Schweizer Börse verpasst, resultierte lediglich eine Wertsteigerung von gut 6% pro Jahr im Vergleich mit über 10% für eine Kasse, die durchgehend investiert war.

Globale Ausrichtung
Eine Mehrrendite auf dem Anlagevermögen von 1% erhöht die Altersrente langfristig um 20%. Im Niedrigzins-Umfeld ist ein Asset Manager entsprechend gefordert. Nachhaltige Wertsteigerungen sind nur mit Realwerten wie Aktien und Immobilien zu erzielen. Eine interessante Variante sind dabei Valoren mit einer hohen Dividendenausschüttung. Bei ausgewählten Aktien ist die Dividendenrendite interessant, selbst wenn die Kurse stagnieren.

Im Immobiliensektor setzen grosse Pensionskassen noch immer schwergewichtig auf direkte Anlagen. Bei einem Bestand von mehreren Mrd Fr. ist das Portfolio meist auch genügend diversifiziert. Für mittlere und kleine Vorsorgeeinrichtungen gestaltet sich die Streuung des Immobilienbestands nach Region und Nutzungsart wegen der Losgrössen und des limitierten Investitionsvolumens wesentlich schwieriger. Zudem ist die Bewirtschaftung der Objekte mit erheblichen Kosten verbunden. Aus diesem Grund sind die indirekten Immobilienanlagen via Aktien oder Fonds stark in den Vordergrund gerückt. Werner Rutsch macht einen Trend «in Richtung globale Immobilien» aus. Bei den Schweizer Pensionskassen entfallen derzeit zwischen 90 und 95% auf einheimische Anlagen. Dieses Klumpenrisiko lässt sich mit einer Diversifikation vermindern..

 

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