Konkurrenz bei der zweiten Säule

Impressum: Dieser Artikel von Reto Gerber ist in der SonntagsZeitung vom 14. November 2004 erschienen. Quelle: WH&P AG, Stans. Die Redaktion hat die Absatzunterteilung leicht verändert, um die Online-Lesbarkeit zu erleichtern.

Fünf autonome Sammelstiftungen gründen ihre eigene Lebensversicherung – in Vaduz.

Swiss Life, «Winterthur» und «Zürich» erhalten Konkurrenz. Fünf autonome Sammelstiftungen starten mit einer eigenen Lebensversicherung, der PKRück. Weil sie voraussichtlich bessere Konditionen bietet als die Konzerne, können die Sammelstiftungen ihre Kosten senken. Damit steigt deren Attraktivität für kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die bei Swiss Life und «Winterthur» teilweise nur schwer Unterschlupf finden.

Zu den Gründungsmitgliedern der PKRück gehören Profond, Nest, PKG, Abendrot und Alsa. Alle fünf beteiligen sich massgeblich an der neuen «Lebensversicherung für die betriebliche Vorsorge AG». Treibende Kraft ist Herbert Brändli, Präsident der Stiftung Profond. Der Vorsorgeexperte wird das Verwaltungsratspräsidium übernehmen. Designierter Geschäftsleiter ist Peter Eugster, der zusammen mit Brändli die Beratungsfirma B+B Vorsorge führt.

Hauptgrund für den Start einer eigenen Lebensversicherung ist die prekäre Situation bei den Invaliditäts- und Todesfallversicherungen: In den vergangenen Jahren wurde es für kleine Vorsorgewerke immer schwieriger, diese Risiken zu vernünftigen Konditionen abzudecken. Swiss Life, «Winterthur», «Zürich», und nach der Übernahme durch die Allianz auch die Berner Versicherung, schraubten die Prämien für die entsprechenden Policen nach oben und bauten Leistungen ab. Offensichtlich versuchen die Konzerne, ihren kleineren Konkurrenten das Leben schwer zu machen. «Vielen teilautonomen Vorsorgeeinrichtungen macht diese Situation sehr zu schaffen», sagt Brändli.

Beschleunigt wurden die Anstrengungen in Richtung einer eigenen Lebensversicherung durch eine politische Diskussion, die diesen Sommer und Herbst in den eidgenössischen Räten hochkochte. Der Ständerat forderte in der Sommersession, die autonomen Sammelstiftungen sollten dem Versicherungsaufsichtsgesetz unterstellt werden.

Damit hätten sich die Stiftungen bei ihrer Konkurrenz, den grossen Konzernen, zusätzlich für ihre Anlagerisiken rückversichern müssen und wären diesen fortan völlig ausgeliefert gewesen. Der Nationalrat ist dem Vorschlag des Ständerats nicht gefolgt. Ausstehend ist der Entscheid im Ständerat in der Wintersession. Die kleine Kammer wird sich in zweiter Lesung vermutlich dem Nationalrat anschliessen, womit das Thema vorerst vom Tisch wäre. Trotzdem sagen sich die Initianten: «Wenn wir uns jemals für alle Risiken, auch für die Anlagerisiken, rückversichern müssen, dann doch lieber bei unserer eigenen Gesellschaft als bei der direkten Konkurrenz.»

Um eine Betriebsbewilligung zu erhalten, benötigt die PKRück eine finanzstarke Rückversicherung. Diese Rolle übernimmt Swiss Re. Bei ihr versichert PKRück Einzelschadensfälle, die ihre Möglichkeiten übersteigen.        top ↑

Die PKRück will auch Dienstleisterin für autonome Pensionskassen sein.

Die Details werden erst festgelegt, wenn das Aktienkapital endgültig feststeht. Nebst den genannten fünf Stiftungen, die Aktienkapital von 15,5 Millionen Franken zugesichert haben, interessieren sich weitere Vorsorgewerke für einen Einstieg.

Die PKRück sieht sich nicht nur als Selbsthilfeorganisation. Sie möchte auch als Dienstleisterin für andere Sammelstiftungen und autonome Pensionskassen auftreten. Damit tritt sie in direkte Konkurrenz zu Swiss Life oder «Winterthur».

Die neue Lebensversicherung sieht ihre Stärke unter anderem in der Abwicklung von Invaliditätsrisiken. Brändli warnt vor allzu früher Euphorie: «Noch sind wir nicht so weit.» Konkret geht es darum, dass PKRück noch auf die Bewilligung der Behörden warten muss. Weil PKRück ihren Sitz in Vaduz hat, entscheidet die Liechtensteinische Versicherungsaufsicht über die Zulassung. Brändli: «Wir haben das Ländle gewählt, weil wir damit EU-kompatibel sind.» Ein Entscheid wird in den kommenden Wochen erwartet. Die Genehmigung zur Aufnahme der Geschäfte in der Schweiz ist danach nur noch Formsache.        top ↑

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