Kein Ertrag mit hohen Risiken.
Vorsorge im Zeichen der internationalen Turbulenzen.
Impressum: Autor ist Herbert Brändli (Details) – Statement in KMU LIFE, 19. Dezember 2011.
Unsere geniale Zweite Säule geniesst noch immer weltweit Anerkennung. Seit 1985 führt sie der Regulator mit dem BVG in den Abgrund. Höchste Zeit, der Politik die Steuerung der Pensionskassen wieder zu entziehen und diese auf eine unabhängige, marktwirtschaftliche Basis zu stellen.
Massgebend für den hervorragenden Erfolg der betrieblichen Vorsorge in der Schweiz sind das Kapitaldeckungsverfahren sowie Nähe und gleichzeitig rechtliche Unabhängigkeit zum Arbeitgeber. In einem wachsenden gesamtwirtschaftlichen Umfeld ist die Kapitaldeckung zudem unabhängig von Umverteilungen - im Kollektiv spart jeder Einzelne für sich und zehrt davon im Alter - ein zentraler Faktor. Während der langen Sparphase bleibt ausreichend Zeit für die Vorfinanzierung der bekanntlich zunehmenden Rentenlaufzeiten - benötigt wird ein zusätzlicher Ertrag von einem viertel bis einem halben Prozent. Dank Zugang zum weltweiten Anlageuniversum wäre eine freie Zweite Säule auch weitgehend unabhängig von demografischen Eigenheiten, Überalterung und Generationenkonflikten einzelner Volkswirtschaften.
Im Gegenteil, unabhängige, kapitalgedeckte Pensionskassen sind hervorragend geeignet zum Abfedern von wirtschaftlichen Schwankungen und biometrischen Unebenheiten zwischen Jahrgängen und Geschlechtern. Nicht die zunehmende Lebenserwartung und das momentan niedrige Zinsniveau sind Ursache des grassierenden Abbaus der betrieblichen Vorsorge, wie uns wirtschaftliche und politische Interessengruppen ständig weismachen. Sie selbst nagen an der Zweiten Säule und wollen an das Geld der Arbeitnehmer. Mit staatlichen Eingriffen und Einschränkungen wird die Marktwirtschaft in Frage gestellt und werden die Wertschöpfungsprozesse der Vorsorgeeinrichtungen lahmgelegt. Die politische Planwirtschaft degradiert das Kapitaldeckungs- zum Umlageverfahren, wie es der Ersten Säule eigen ist. Dieses krankt an der abnehmenden Erneuerung und der zunehmenden Lebenserwartung der Bevölkerung und der damit verbundenen Überalterung.
Die Systemrisiken der AHV werden politisch auf die berufliche Vorsorge übertragen, welche dafür Effizienz und Effektivität preisgeben muss. Nicht zum Vorteil der Arbeitnehmer Heute, in der Schuldenkrise, verteidigt die Politik Finanzmarktteilnehmer, die unbestritten, aber auch mit sehr hohen Risiken, viel zum Wohlstand der Schweiz beigetragen haben. Mit Eigeninteressen und horrenden Managerlöhnen verringern die Finanzintermediäre die von Vorsorgeeinrichtungen theoretisch erzielbaren Erträge (Dividenden, Mieten und Zinsen) teils bis ins Negative. Via Versicherer, Banker, Fondsmanager und Berater weisen Politiker und Regulatoren mit konstruierten Anlageinstrumenten wie Hedgefunds, Indices, ETFs, Derivaten und Verbriefungen das berufliche Volksvermögen nicht immer zum Vorteil der Arbeitnehmer dem Basisanlageuniversum zu Mickrige Erträge und hohe Risiken Besonders hohe Kosten und Risiken verursachen die vom Staat gehätschelten Lebensversicherer, wie kürzlich eine Kostenstudie offenbart hat. Neben den hohen Verwaltungskosten schlagen noch viel einschneidender Opportunitätskosten in Form von verpassten Erträgen zu Buche. Statt in ertragsstarke Unternehmen verordnet die Politik die Sparguthaben in eigene, unergiebige Schuldenlöcher.
Anlagen in Staatsanleihen werden mithilfe von Wirtschaftsprofessoren und Experten als risikofrei, sprich mündelsicher ausgegeben und sollen dem Schutz der Zwangssparer dienen. Tatsächlich bringen diese Anlagen nur mickrige Erträge und bergen immense Risiken, wie zahlreiche frühere und neu angesagte Staatspleiten offenbaren. Nur das beherzte Eingreifen der Europäischen Union und der Europäischen Zentralbank haben verhindert, dass Griechenland noch nicht zahlungsunfähig ist. Aber nicht nur Griechenland hat momentan Bonitätsprobleme, sondern auch Länder wie Portugal, Irland, Spanien und Italien sind betroffen, und die Kreditwürdigkeit der USA wurde ebenfalls zurückgestuft. Dort haben bereits mehrere Städte ihre Zahlungen eingestellt. Zahlungsausfälle im Gemeinwesen haben mittlerweile eine so hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Zinsen der Notenbanken trotz allen gegenteiligen Bemühungen ansteigen werden und Obligationeninhaber immer stärkerfallende Kurse in Kauf nehmen müssen.
Das Beispiel Griechenland illustriert, wie schnell eine vermeintlich risikolose Staatsanleihe zu hohen Verlusten führen kann. 2009 hatte die griechische Obligation Helenic Republic einen Kurs von annähernd 100 mit einem Zinssatz von 4.7 Prozent. Heute notiert die Anleihe bei 33.8, was einem Zinssatz von 18.8 Prozent entspricht.
Der Zinsanstieg um 14.1 Prozent hat den Investoren herbe Kursverluste von 66 Prozent beschert. Schleichende Einführung des Umlageverfahrens Weil Staatsanleihen trotz dieser immensen Risiken keine genügenden Realerträge liefern, demontiert die Politik kurzerhand das Leistungsvermögen der Zweiten Säule. Soeben hat der Bundesrat auf Geheiss der Lebensversicherer den BVG-Zinssatz auf 1.5 Prozent reduziert. Das ist weniger als Private auf Sparkonti bei der Post erhalten.
Auch eine weitere Senkung des Umwandlungssatzes soll in Bälde wieder auf das Tapet kommen. So werden die beruflichen Zwangssparer für dumm verkauft. Zur Untermauerung der Perversion halten sich Branchenvertreter und Bürgerliche an Generationenkonflikte und preisen die den Arbeitnehmern aufgebrummten massiven Leistungsreduktionen als Stop des Rentenklaus der Rentner (ASIP, Konrad) an. Damit beschwören sie die schleichende Einführung des Umlageverfahrens in der Zweiten Säule. Unter dem Vorwand des Generationenkonflikts sollen später auch noch laufende Renten nachträglich weggenommen werden. Derartige Zerlegungen sind einem frei funktionierenden Kapitaldeckungsverfahren fremd.
Investitionen in erfolgversprechende Unternehmen und Immobilien würden stattdessen Pensionskassen befähigen, kaufkraftwahrende Renten aufzubauen, zu erhalten und gegen die drohende Inflation zu schützen.
Herbert Brändli ist Gründer und Verwaltungsrat Präsident der B+B Vorsorge AG. Zurück
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1 Kommentar
25.01.2012 20:18
Die wirkliche Frage ist, ob es mit der aufsichtsrechtlichen Favorisierung von Staatsanleihen als Investitionsobjekte von Pensionskassen und Versicherungen nicht um etwas ganz anderes geht: Die Finanzierung von Staaten, die sich nicht mehr anderweitig finanzieren können. Es ist doch das einfachste, die entsprechenden Weichen via Regulator umzustellen, so dass das Volksvermögen zur Schuldenfinanzierung herbeigezogen werden kann. Hier findet eine schleichende Enteignung statt. Nicht zum ersten Mal übrigens.
