Pensionskassen im Vergleich

Gewagte Folgerungen

Impressum: erschienen in AWP, Nummer 14/2008.
Beitrag von Herbert Brändli, PK-Experte, B+B Vorsorge AG, Thalwil
Der im Titel erwähnte PK-Vergleich kann als PDF heruntergeladen werden.

Bereits zum dritten Mal hat die SonntagsZeitung von einer Beratungsfirma Sammelstiftungen bewerten und vergleichen lassen. Gegenüber den Vorjahren wurde die Untersuchung nach eigenem Bekunden ausgedehnt und verfeinert. Grosse Unterschiede wurden bezüglich Kosten, Rendite, Verzinsung, Bonität und Service ausgemacht.

In der Folge wurden Awards für sieben Kategorien vergeben. Es ist zu befürchten, dass im kommenden Jahr wieder eine ähnliche Untersuchung erfolgen wird. Darum seien an dieser Stelle ein paar kritische Fragen und Bemerkungen erlaubt. Der Zweck der Ausschreibung und die verteilten Offertunterlagen waren den Umfrageteilnehmern bereits aus den Vorjahren wohl bekannt. Es ist darum verständlich, dass manche Anbieter auf dieser Basis nicht mehr verglichen werden wollten. Die ausgiebige mediale Auswertung beruht auf Offertvergleichen und ein paar unkritisch übernommenen Selbstdeklarationen. Mittlerweile ist aber allgemein bekannt, dass einzelne Angebote von Sammelstiftungen aus diversen Gründen keinen direkten Zusammenhang mit ihren Betriebsrechnungen und Wertschöpfungen haben.

Vorweg verwundert die Zweiteilung der Pensionskassenwelt in Sammelstiftungen, die ihr Vermögen an Finanzmärkten anlegen und solche, die es in Lebensversicherungen stecken. Wem dient diese Unterscheidung? Wollte der Gesetzgeber nicht für alle Mitarbeiter dieselben Bedingungen schaffen? Wird da etwa Rücksicht genommen auf die Lebensversicherer, die an Stelle von Leistungen Garantien abgeben? Dass diese das Papier nicht wert sind, auf denen sie geschrieben stehen, zeigen u.a. die Kürzungen der Altersleistungen, die nach Zinsveränderungen an den Finanzmärkten von Versicherungen automatisch vorgenommen werden.

Pseudowissenschaftlich versuchen die Macher der Studie krampfhaft aufzuzeigen, dass die Versicherer ohne Risiko vergleichbare Anlageresultate zu unabhängigen Sammelstiftungen erreichen. Die für die Versicherer ausgewiesene Performance ist allerdings nicht nachvollziehbar, auch wenn die Obligationenportfolios mit risikobehafteten Junkbonds gefüllt sind. Gemäss Index haben Obligationen in Schweizerfranken im Jahr 2007 leicht negativ mit – 0,5 % und Obligationen in Fremdwährungen mit + 2,8 % rentiert. Die Betriebsrechnung der Swiss Life beispielsweise, weist entsprechend im Kollektiv-Leben-Geschäft eine Performance zu Marktwerten von 0,5 % aus. Die in der Studie angeführte Rendite von 3,18 % und die jährliche Durchschnittsrendite von 3,92 % beziehen sich also auf irgendwelche Buchwerte und gehören ins Reich der Phantasie. Jedenfalls sind sie nicht vergleichbar mit den nach FER-Standards ermittelten Renditen der unabhängigen Pensionskassen.

Die Untersuchung der Verwaltungs- und Administrationskosten verwirrt mehr, als dass sie Klarheit schaffen würde. Die Kosten stehen bekanntlich in direktem Zusammenhang mit dem Umfang und der Qualität von Dienstleistungen, die gegenüber den Versicherten erbracht werden. Kostenvergleiche, ohne Einbezug des zugrunde liegenden Leistungsangebots, machen darum grundsätzlich keinen Sinn, abgesehen davon, dass Versicherungen nach wie vor Kostenanteile in den Tarifen verstecken und nicht offen legen. Zudem verteilen einzelne Sammelstiftungen ihre Kosten solidarisch unter alle Vorsorgenehmer andere sehen kausale Belastungen der verschiedenen Verursacher vor.

Eine Prämierung der Umfrageteilnehmer nach den niedrigsten Kosten ist zudem fraglich, weil die angestellten Vergleiche nicht auf den Betriebsrechnungen beruhen, sondern auf Preisangebote abstellen. Diese Angebote werden in jüngster Zeit von einzelnen Anbietern auf der Jagd nach neuen Anschlüssen kräftig subventioniert. Die generellen Folgerungen der Macher auf wettbewerbsbedingte Kostensenkungen der Pensionskassen sind darum mehr als gewagt.

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