Möglichkeiten und Grenzen von Aktienanlagen

Impressum: Autor ist Herbert Brändli (Details) – Artikel in stocks.ch (Experten-Kolumne), 29. Oktober 2010. Link stocks.

Die hohe Ertragskraft von Aktienanlagen ist für wirkungsvolle Pensionskassen wesentlich. Aktien gelten wegen häufigen Kursschwankungen aber als risikoreich. Warren Buffet relativiert diese Anlagerisiken mit der Haltedauer und wurde mit langfristigen Engagements zu einem der weltweit erfolgreichsten Investoren. In einem seiner berühmten Aktionärsbriefe zeigt er auf, wie Investmenterträge tatsächlich vernichtet werden.

Amerikanische Unternehmen arbeiteten im letzten Jahrhundert gut. Sie trieben den Dow Jones Index von 66 auf 11497 Punkte. Die Investoren und Eigentümer von Aktien hatten damit einfachen Erfolg. Unternehmen werden auch weiterhin Gewinne bringen, aber die Aktionäre begrenzen ihre Erträge durch eigenes Verschulden massiv und immer stärker. Im Aktionärsbrief 2006 erörtert Warren Buffet, wie kostspielig es werden kann, wenn man sich auf Anlageberater verlässt.

Auf Anlagemärkten gilt fundamental: Der höchste Gewinn, welche die Eigentümer realisieren können, ist soviel, wie die Gesamtheit ihrer Unternehmen erwirtschaftet – einmal abgesehen von unbedeutenden Ausnahmen, wie beispielsweise Konkursen, bei welchen Kreditgeber Teile der Verluste tragen müssen. Alle Investoren fühlen sich reicher, wenn die Aktienkurse steigen. Ein Aktionär kann aber nur aussteigen, wenn ein anderer seinen Platz einnimmt. Verkauft er zu einem hohen Preis, muss ein anderer zu diesem Preis kaufen.

Gesamthaft gibt es keine Wunder, die es erlauben würden mehr aus den Unternehmen zu ziehen als diese erwirtschaften. Hingegen verdienen Aktionäre wegen Reibungsverlusten auf den Anlagemärkten zunehmend immer weniger als ihre Unternehmen. Warren Buffet erklärt diesen Effizienzverlust anhand der Familie Gotrock, der virtuell alle Unternehmen der Gemeinschaft Amerika gehören. Diese Familie wird von Generation zu Generation um den Gesamtertrag der Unternehmen in ihrem Eigentum reicher.

Alle profitieren im selben Mass bis die Harmonie durch Helfer gestört wird. Sie überreden einzelne Familienmitglieder gegen Gebühr von den anderen Aktien zu kaufen. Die Gotrocks besitzen weiterhin alle Unternehmen; durch die Käufe und Verkäufe ergibt sich lediglich eine Neuordnung der Eigentumsverhältnisse. Der Vermögenszuwachs der Familie nimmt hingegen um die bezahlten Kommissionen ab. Je mehr sie sich auf den Handel einlässt, umso kleiner wird ihr Anteil am Kuchen. Aktivität ist der Freund der Händler und vergrössert ihre Kuchenstücke.

Bei diesem Hau-den-Bruder Spiel werden professionelle Manager zugezogen, um den Rest der Familie besser zu überlisten. Diese neuen Helfer nehmen sich ebenfalls ihren Anteil vom Kuchen und verstärken dafür den Einsatz der Broker. Die Finanzen der Familie wenden sich immer mehr zum Schlechten und ihre Enttäuschung nimmt zu. Die Mitglieder wissen inzwischen, dass sie selber weder zur Auswahl der richtigen Aktien noch der richtigen Händler fähig sind. Neue Hilfe kommt mit Finanzplanern und institutionellen Beratern, die die Gotrocks bei der Auswahl ihrer Manager unterstützen.

Noch mehr Honorare, Gebühren und Abgaben lassen die Ergebnisse weiter schwinden und rufen Super-Helfer auf den Plan. Sie bieten beeindruckend einfache Lösungen an und fordern gegen riesige Kontingenzzahlungen die Familienmitglieder auf, mehr Geld in die Hand zu nehmen, um die Verwandten auszumanövrieren. Diese Manager-Helfer in neuer Uniform tragen sexy Namen wie Hedge Fund oder Private Equity und versichern, dass der Kleiderwechsel überaus wichtig ist. Die Gotrocks bezahlen weiter und mittlerweile landet ein Rekordanteil des Familieneinkommens bei den Helfern, statt den Eigentümern.

Besonders kostspielig sind pandemisch um sich greifende Profitvereinbarungen, die den Helfern die Einkünfte sichern und den Gotrocks die Schulden überlassen. Zuletzt gibt es für dumme, glücklose und zuweilen auch kriminelle Helfer happige Abgangsentschädigungen. Die Gesamtkosten für die Familie belaufen sich gut und gerne auf 20 Prozent der Erträge. Mit anderen Worten: die Bürde, Helfer finanzieren zu müssen, bedeutet für Investoren, dass sie nur etwa 80 Prozent der Erträge erhalten, die ihnen zustehen würden, wenn sie nur einfach da sässen und auf niemanden hörten.

Herbert Brändli ist Betriebswirtschafter und Eidg. dipl. Pensionsversicherungsexperte mit einem breit diversifizierten Auftragsportefeuille. Herbert Brändli ist Gründer und Leiter der B+B Vorsorge AG, welche sich zur Aufgabe gemacht hat, mehr Dynamik und Transparenz in die berufliche Vorsorge zu bringen und ihren Kunden eine fundierte Beratung sowie interessante Alternativen zu bieten. Zurück

 

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